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1. Europa ist unsere Heimat.

Europa gehört zu uns und wir gehören zu Europa. Diese Län-
der sind unsere Heimat; wir haben keine andere. Die Gründe un-
serer Wertschätzung Europas übersteigen unsere Fähigkeiten, un-
sere Bindung zu erklären oder zu rechtfertigen. Es geht dabei um
geteilte Geschichte, Hoffnungen und Liebe. Es geht um altherge-
brachte Gewohnheiten, Pathos und Schmerz. Es sind inspirierende
Momente der Versöhnung und das Versprechen einer gemeinsamen
Zukunft. Gewöhnliche Landschaften und Ereignisse sind aufge-
laden mit besonderer Bedeutung – für uns, aber nicht für andere.
Heimat ist ein Platz, an dem die Dinge vertraut sind und wir wieder-
erkannt werden, egal wie weit wir umhergewandert sind. Das ist
das echte Europa, unsere wertvolle und unersetzliche Zivilisation
und Kultur.


2. Das falsche Europa bedroht uns.

Europa, in all seiner Größe und seinem Reichtum, ist gefährdet
durch ein falsches Verständnis seiner selbst. Dieses falsche Europa
sieht sich als Erfüllung unserer Zivilisation, wird aber in Wahrheit
unsere Heimat enteignen. Es prangert die Überzeichnungen und
Verzerrungen von Europas authentischen Werten an und bleibt
doch blind gegenüber seinen eigenen Untugenden. Indem es selb-
stgefällig eine einseitige Karikatur unserer Geschichte zeichnet, ist
dieses falsche Europa unüberwindbar vorurteilsbehaftet gegenüber
der Vergangenheit. Seine Befürworter sind Waisen aus eigener Wahl
und nehmen an, daß eine Waise zu sein, heimatlos zu sein, ein er-
habenes Ziel sei. In diesem Sinne verklärt sich das falsche Europa
zum Vorbild einer universalen Gemeinschaft, die aber in Wirk-
lichkeit weder universal noch eine Gemeinschaft ist.


3. Das falsche Europa ist utopisch und tyrannisch.

Die Schirmherren dieses falschen Europas sind verzaubert vom
Aberglauben an einen unaufhaltbaren Fortschritt. Sie glauben,
die Geschichte auf ihrer Seite zu haben, und dieser Glaube macht
sie hochmütig und geringschätzig. Sie sind unfähig, die Fehler
jener post-nationalen und post-kulturellen Welt zu erkennen, die
sie selber konstruieren. Mehr noch: Sie sind ignorant gegenüber
den wahren Quellen der menschlichen Würde, die sie angeblich
so hoch schätzen. Sie ignorieren die christlichen Wurzeln Europas,
lehnen diese sogar ab. Gleichzeitig verwenden sie große Mühen
darauf, keine Muslime zu beleidigen, von denen sie annehmen,
daß sie begeistert ihren säkularen, multikulturellen Standpunkt
teilen werden. Versunken in Vorurteilen, Aberglauben und Igno-
ranz, geblendet von eitlen, selbstbeweihräuchernden Visionen einer
utopischen Zukunft, unterdrücken sie reflexartig jede abweichende
Meinung – natürlich im Namen von Freiheit und Toleranz.


4. Wir müssen das echte Europa verteidigen.

Wir sind in einer Sackgasse. Die größte Gefahr für die Zukunft Eu-
ropas besteht weder in russischem Abenteurertum, noch in der Im-
migration von Muslimen. Das wahre Europa ist in Gefahr wegen des
eisernen Griffes, den das falsche Europa auf unsere Vorstellungen
ausübt. Unsere Nationen und unsere gemeinsame Kultur werden
ausgehöhlt durch Illusionen und Selbsttäuschungen darüber, was
Europas ist und was es sein sollte. Wir versprechen, dieser Gefahr
für unsere Zukunft entgegenzutreten. Wir werden das wahre Eu-
ropa verteidigen, erhalten und verfechten, jenes Europa, dem wir in
Wahrheit zugehörig sind.


5. Solidarität und Gemeinschaftssinn ermutigen zur Teilhabe.

Das wahre Europa erwartet und ermutigt aktive Teilnahme am
gemeinsamen Projekt des politischen und kulturellen Lebens. Das
europäische Ideal ist eine Solidarität, welche auf der Zustimmung zu
Gesetzen basiert, die für alle gültig sind, aber in ihren Ansprüchen
eingeschränkt sind. Diese kollektive Zustimmung ist nicht immer in
Form einer gewählten Körperschaft erfolgt. Aber unsere staatsbürg-
erlichen Traditionen reflektieren eine fundamentale Zustimmung
zu unserer politischen und kulturellen Tradition, in welcher Form
auch immer. In der Vergangenheit haben Europäer dafür gekämpft,
unsere politischen Systeme offener für die Teilnahme der Bürger
zu machen, und wir sind zu recht stolz auf diese Geschichte. Aber
selbst während dies geschah, teilweise in offener Rebellion, haben
wir Europäer immer bekräftigt, daß die Traditionen der Menschen
dieses Kontinents, trotz mancher Ungerechtigkeiten und Fehler, die
unseren sind. Der Geist des Fortschritts ist geboren aus der Liebe
und der Treue zur unseren Heimatländern.


6. Wir sind keine passiven Subjekte.

Ein europäischer Geist der Einigkeit erlaubt es uns, Vertrauen
in die Sicherheit des öffentlichen Raums zu haben, selbst wenn wir
einander als völlig Fremde begegnen. Die öffentlichen Parkanlagen,
die zentralen Plätze und die breiten Boulevards der europäischen
Ortschaften und Städte drücken das europäische politische Bewußt-
sein aus: wir teilen unser gemeinsames Leben und die res publica.
Wir nehmen an, daß es unsere Pflicht ist, Verantwortung für die
Zukunft unsere Gesellschaften zu übernehmen. Wir sind keine pas-
siven Subjekte unter der Herrschaft von Despoten, mögen sie heilig
oder säkular sein. Und wir sind nicht unerbittlichen historischen
Mächten unterworfen. Europäisch sein, das heißt, politische und
historische Vermittlung zu besitzen. Wir selbst sind die Autoren
unserer gemeinsamen Geschichte.


7. Der Nationalstaat ist das Markenzeichen Europas.

Das wahre Europa ist eine Gemeinschaft von Nationen. Wir
haben unsere eigenen Sprachen, Traditionen und Grenzen. Trotz-
dem haben wir immer unsere gegenseitige Zusammengehörigkeit
anerkannt, selbst wenn wir im Streit miteinander lagen – oder uns
gar im Krieg befanden. Diese Einheit-in-Vielfalt scheint uns ganz
natürlich; dennoch ist sie bemerkenswert und wertvoll, denn sie ist
weder naturgegeben noch folgerichtig. Die früheste politische Form
dieser Einheit-in-Vielfalt ist das Imperium, welches europäische
Kriegsherren immer wieder versuchten zu erschaffen, Jahrhunderte
nach dem Untergang des Römischen Reichs. Die Verlockung des
Imperiums dauerte lange an, aber die Nationalstaaten setzten sich
schließlich durch, jene Staatsform, welche Souveränität und Volk
verbindet. Der Nationalstaat wurde so zum Kennzeichen Europas.


8. Wir unterstützen keine auferlegte, erzwungene Einheit.

Eine nationale Gemeinschaft ist stolz darauf, sich selbst auf seine
eigene Art und Weise zu regieren, rühmt sich seiner großen na-
tionalen Errungenschaften in Kunst und Wissenschaft und steht
mit anderen Nationen im Wettbewerb, manchmal auch auf dem
Schlachtfeld. Das hat Europa verwundet, manchmal schwer, aber es
hat niemals unsere kulturelle Einheit gefährdet. Tatsächlich war
das Gegenteil der Fall. Während sich die europäischen Staaten
zunehmend festigten und voneinander unterschieden, wurde eine
gemeinsame europäische Identität stärker. Nach dem schrecklichen
Blutvergießen in den beiden Weltkriegen in der ersten Hälfte des
Zwanzigsten Jahrhunderts entstand bei uns Europäern eine noch
größere Entschlossenheit, unser gemeinsames Erbe zu ehren. Dies
beweist die Tiefe und Kraft der europäischen Zivilisation, die in
einem angemessenen Sinne weltoffen ist. Wir Europäer suchen nicht
die auferlegte, erzwungene Einheit eines Imperiums; im Gegenteil
ist die europäische Weltoffenheit untrennbar verbunden mit der
Anerkennung der Vaterlandsliebe und der staatsbürgerlichen Treue.


9. Das Christentum hat die kulturelle Einheit ermöglicht.

Das wahre Europa ist geprägt durch das Christentum. Die univer-
sale geistliche Herrschaft der Kirche ermöglichte erst die kulturelle
Einheit für Europa, tat dies aber ohne politisches Reich. Dadurch
konnten letztlich auch bürgerliche Werte und Treue in einem geteil-
ten Europa blühen. Die Autonomie dessen, was wir heute die
Zivilgesellschaft nennen, wurde ein charakteristisches Merkmal des
europäischen Lebens. Weiterhin liefert das christliche Evangelium
kein umfassendes göttliches Gesetz, weshalb die Verschiedenheit
der säkularen Gesetze der Nationen bekräftigt und geehrt werden
konnten, ohne eine Gefahr für die europäische Einheit zu sein. Es
ist daher kein Zufall, daß der Niedergang des christlichen Glaubens
in Europa einhergeht mit dem erneuten Versuchen, eine politische
Einheit zu schaffen – ein Imperium durch die Europäische Union.

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