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Um was geht es ?

Die Proteste der „gelben Westen“ sind Sozialproteste. Sie sind aber auch Anti-Establishment-Proteste mit einer klaren kulturellen Note. Es ist aber nicht so einfach, die Proteste der „gelben Westen“ in eine Schublade zu stecken. Zwar geht es vordergründig um Mineralölsteuern und die als „Umweltpolitik“ verkaufte Senkung der Höchstgeschwindigkeit auf zweispurigen Landstraßen auf 80 km/h, die abseits von Paris als sinnfreie „Kopfgeburt der Städter“ gesehen wird. Eigentlich geht es aber um eine Gesellschaft, die sich immer stärker auseinanderentwickelt. Hier die einfachen Menschen auf dem Lande, die das Auto zum Broterwerb brauchen und sozioökonomisch durch steigende Lebenshaltungskosten und stagnierende Löhne ohnehin bereits mit dem Rücken an der Wand stehen. Und dort die begüterten städtischen Eliten, die immer reicher werden, viel von Umweltschutz reden, die Rechnung dafür aber den einfachen Leuten auf dem Land präsentieren. Diese Spaltung der Gesellschaft ist freilich kein französisches Alleinstellungsmerkmal, sondern ohne weiteres auf Großbritannien, die USA und auch Deutschland übertragbar. In Northumberland, Montana und Brandenburg dürfte sich die Begeisterung, die Umwelt durch höhere Mineralölsteuern zu „retten“, auch in überschaubaren Grenzen halten.

Ein Riss verläuft durch Frankreich. Dieser Riss ist nicht erst durch Macron entstanden, wird durch ihn, der oft wie das personifizierte Abziehbild eines reichen, privilegierten Sprosses des verhassten elitären Pariser Establishments wirkt, aber sichtbar. Wie zu erwarten, versucht sich nun die Opposition zu Macron an die „gelben Westen“ anzuhängen. Namhafte Politiker der konservativen Republikaner und der rechten Nationalen Sammlungsbewegung haben schon ihre Teilnahme angesagt. Die „gelben Westen“ verwehren sich jedoch gegen jegliche Instrumentalisierung von rechts. Und was macht die Linke? Jean-Luc Mélenchons Unbeugsames Frankreich steht bei den Protesten vor einem ähnlichen Problem wie die deutsche Linkspartei. Große Teile der Basis unterstützen die „gelben Westen“ und zahlreiche Spitzenpolitiker der Linken haben ihre Beteiligung an den Blockaden bereits angekündigt – der urban geprägte „ökosozialistische“ Flügel der Partei findet die Erhöhung der Mineralölsteuern jedoch prima und lehnt die Proteste ab.

Grundheraus abgelehnt werden die „gelben Westen“ auch vom Gewerkschaftsbund CGT – angeblich, weil die Demonstranten durch Rechtsextreme für deren Zwecke manipuliert werden. Der Verdacht, dass der CGT die Aktionen eigentlich aber deshalb ablehnt, weil er selbst nicht mit im Boot ist und bei den ersten Großprotesten seit Jahren nur eine Zuschauerrolle einnimmt, liegt jedoch ebenfalls auf der Hand. Daran ist Macron übrigens nicht ganz unschuldig, hat er den CGT doch in der Vergangenheit nonchalant ignoriert. Doch dies kommt nun in Form der „gelben Westen“ zurück.

Erstaunlich ist, dass dieses Thema in den deutschen Medien fast überhaupt nicht stattfindet. Lediglich die Saarbrücker Zeitung hat sich bislang überhaupt berufen gefühlt, über die „gelben Westen“ zu schreiben. Im Rest des Blätterwalds wird das Thema schlicht ignoriert. Das ist alleine schon deshalb unverständlich, da durch die Straßenblockaden auch zahlreiche deutsche Pendler und Touristen ernste Probleme bekommen könnten.

Generell wird die landesweite Kritik an Macron in den deutschen Medien ja gerne totgeschwiegen. Es ist dem Leser wohl nur schwer zu vermitteln, dass der „Retter Europas“, der von der schreibenden Zunft so vergöttert wird, im eigenen Land derart unbeliebt ist.

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