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Seltsame Vergebungsbitte

Das ist aber nicht der einzige Punkt, der im Zusammenhang mit dem Asien-Aufenthalt und dem Islam für Irritationen sorgt. Nach Myanmar besuchte Franziskus das benachbarte Bangladesch, wohin mehr als eine halbe Million Rohingya aus Myanmar geflüchtet sind. Mit den Bengalen verbindet sie nicht nur die gemeinsame islamische Religion, sondern auch Sprache und Kultur.

In Bangladesch traf sich Franziskus mit 16 aus Myanmar geflohenen Rohingya. Bei dieser Gelegenheit, außerhalb von Myanmar, sprach sie der Papst nun als Rohingya an, was von offiziellen kirchlichen Medien mit Nachdruck hervorgehoben wurde. Durch diesen Eifer, herausstreichen zu wollen, daß Franziskus nun tatsächlich das Wort Rohingya ausgesprochen hatte (wenn auch auf bengalischem und nicht mehr birmanischem Boden, was aus diplomatischer Klugheit geschehen sein kann) wurde auch der Rest seiner frei gehaltenen Rede an die Rohingya bekannt – und sorgte für weitere Irritationen.

Wörtlich sagte der Papst:

„Im Namen aller, die euch verfolgt haben, die euch Leid zugefügt haben, bitte ich um Vergebung.“

Hat Papst Franziskus die Rohingya verfolgt? Hat die katholische Kirche die Rohingya verfolgt? Haben Katholiken im Zusammenhang mit ihrem Glauben die Rohingya verfolgt? Haben überhaupt getaufte Christen die Rohingya verfolgt? Warum bittet der Papst um Vergebung für Leid und Gewalt, die von ganz anderen verübt wurde? Welchen Sinn macht eine solches mea culpa?

Schuld und Sünde sind immer persönlich, ansonsten würde eine Kollektivschuld daraus, die zurecht und mit Vehemenz in jedem Zusammenhang zurückzuweisen ist. Die große zivilisatorische Errungenschaft der Strafrechtsentwicklung besteht gerade darin, daß jede Form von Kollektivschuld und damit Sippenhaftung aus dem Rechtsverständnis beseitigt wurde. Die Stellvertretung durch unbeteiligte Dritte kannte das Recht ohnehin nie. Nur Diktaturen und Willkürherrschaft kennen sie. Die katholische Tradition kennt die Form der stellvertretenden Sühne, die durch unbeteiligte Dritte vor Gott erfolgen kann. Völlig unbekannt ist aber eine stellvertretende Vergebungsbitte gegenüber Opfern, weil sie ebenso wirkungslos wie sinnwidrig wäre.

Und überhaupt: Was sagen die Schuldigen, die Täter des Leides, zu dieser unaufgeforderten Vergebungsbitte durch den Papst?

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Quelle:

 

 

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