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Eine perfide Geschäftsidee will die Todeserfahrung nach künstlicher Befruchtung emotional verbrämen.

Von Susanne Kummer

In Österreich wurden im Zuge der künstlichen Befruchtung in den vergangenen 15 Jahren mehr als eine halbe Million Embryonen hergestellt, Tausende übrig gebliebene Embryonen lagern tiefgekühlt, da die Eltern ihre Familienplanung mittels In-Vitro-Fertilisierung (IVF) schon abgeschlossen haben. In Deutschland ist die Situation ähnlich, da auch hier trotz strenger Auflagen bei jeder IVF mehr Embryonen erzeugt als am Ende ausgetragen werden. Dabei kommt eine spezielle Technik, die sogenannte Kryokonservierung zum Einsatz.

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Neuer Geschäftszweig in Australien

Was soll in Zukunft mit den Millionen überflüssig erzeugten Embryonen geschehen? Nicht alle Eltern sind bereit, ihre Embryonen im Zuge von Forschungsvorhaben zerstören zu lassen oder an andere weiterzugeben. Dabei kann auch die Miete durchaus zu einer finanziellen Belastung werden, die für die Tiefkühlung gezahlt werden muss.

In Australien bahnt sich nun ein neuer Geschäftszweig an:

Die Firma Baby Bee Hummingbird bietet an, Embryonen als Andenken in Schmuckstücke zu präparieren: Paare, die nach einer künstlichen Befruchtung vor der Entscheidung stehen, was mit ihren tiefgefrorenen Embryonen zu geschehen hat, können diese in ein Schmuckstück verwandeln lassen. Menschliche Embryonen werden dabei zu Asche verbrannt, in der die DNA erhalten bleibt. Die Asche wird mit Harz versetzt und zu Anhängern oder Ringen präpariert. Mütter berichten, sie hätten ihre Embryonen nun als ein „schönes Andenken“ immer bei sich – zum Beispiel sieben Embryonen in einem herzförmigen Anhänger. Sie hatten sich keine weitere Lagerung der Embryonen leisten können.

Dahinter steckt eine perfide Geschäftsidee.

Aus der Praxis ist bekannt, dass viele Frauen nach einer künstlichen Befruchtung eine Beziehung zu ihren Embryonen im Tiefkühlgerät behalten. Die emotionale Nabelschnur bleibt. Das ist eine durchaus belastende Situation. Das innere Wissen, dass es sich nicht bloß um Zellklumpen handelt, sondern um potenzielle Kinder, lässt sich nicht immer wegschieben. So werden in Internetforen tiefgefrorene Embryonen als „Eisbärlis“ oder „Schneeflocken“ bezeichnet. Eine spanische Reproduktionsmedizinerin bemüht sich auf ihrer Webseite hervorzuheben, dass alles seinen geordneten Weg gehe – auch im Tiefkühllager. Die Embryos würden wie „in kalten Kindertagesstätten leben, in Tanks mit Abteilen, in welchen die Geschwister zusammen in Plastikbechern untergebracht sind, jede Familie in ihrer Farbe“.

Der Erfinder der künstlichen Befruchtung und spätere Nobelpreisträger Robert Edwards hatte diese Entwicklung vorhergesehen. Er arbeitete bereits in den 70er Jahren an Techniken zum Einfrieren von Embryonen und konstruierte eigene Konservierungsgeräte.

40 Jahre nach Beginn der künstlichen Befruchtung zeigt sich, dass die technischen Verfahren Widersprüche aufwerfen, die sich ethisch nicht mehr sinnvoll auflösen lassen: Weder gibt es eine Verpflichtung, Millionen von Embryonen zu adoptieren, noch sie utilitaristisch zum Freigut für Forschungszwecke zu erklären.

Embryo wird zur Sache

Der Widerspruch der IVF bleibt: Das Zur-Welt-Bringen des einen Kindes bedeutet zugleich das Vernichten von Embryonen. Statt diese Todeserfahrung und unverantwortliche Erzeugung von Embryonen entsprechend aufzuarbeiten, stellt die Geschäftsidee aus Australien eine emotionale Verbrämung dar – ein perfider Versuch, das innere Wissen um die Kostbarkeit jedes Menschen ästhetisch-konsumistisch zu sublimieren.

Mit Totenkult hat das nichts zu tun. Hier werden aus Menschen, die selbst hätten leben und Schmuck tragen können, Schmuckstücke hergestellt. Der Embryo wird damit endgültig zur Sache.

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